„Die Donau“

Die Zeitschrift „Die Donau“ erschien von 1935 bis 1944 in Apatin, im heutigen Serbien. Herausgegeben wurde sie von Adam Berenz, einem katholischen Priester und Journalisten. Die Zeitschrift richtete sich an die deutschsprachige Bevölkerung im Königreich Jugoslawien und war ein bedeutendes Medium, um die Gemeinschaft zu stärken und zu unterstützen.


Adam Berenz wurde 1898 in Apatin geboren. Er besuchte das Gymnasium und das Priesterseminar in Kalocsa, Ungarn, und arbeitete später als Priester in verschiedenen Gemeinden des Königreichs Jugoslawien. 1933 wurde er Vikar an der neu erbauten Herz-Jesu-Kirche in Apatin.

2025

April

Zeitschrift

Wolhynien auf der Europakarte

Datierung: 1940

Material: Papier

Maße: HxB: 43 x 31 cm

Herausgegeben: Apatin, Serbien

Sammlung: Stadtmuseum Sombor

Berenz war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, der sich nach 1933 auch unter den Jugoslawiendeutschen verbreitete. Von den etwa 500.000 Deutschsprachigen in Jugoslawien waren über drei Viertel katholisch. Als viele Führungspositionen der Volksgruppe von Nationalsozialisten übernommen wurden, gründete Berenz „Die Donau“, um ein katholisches Gegenstück zu der Bewegung der „Erneuerer“ und deren Propaganda zu schaffen. 


Die Zeitschrift hatte das Ziel, die Menschen in ihrem katholischen Glauben zu stärken und gleichzeitig eine Alternative zu den nationalsozialistischen Ideen zu bieten.

Der Wandel der Zeiten – vom „Wochenblatt“ zum „Presseorgan“


Schon der Titel der Zeitschrift spiegelte den Wandel der politischen und gesellschaftlichen Lage wider. Bis 1941 erschien sie mit dem Untertitel „Wochenblatt für das katholische Deutschtum Jugoslawiens“, danach, als ein großer Teil der Batschka zu Ungarn kamen, als „Wochenblatt für das katholische Deutschtum Ungarns“.


Zur Gründung von „Die Donau“ schrieb Adam Berenz selbst:
„Als nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Deutschen Reich die neuheidnische Weltanschauung zuerst im Geheimen (besonders in Ferienlagern), später durch die sogenannte ‚Erneuerungsbewegung‘ durch ihr Kampfblatt ‚Volksruf‘ offen beim Schwabenvolk propagiert wurde, zeigte sich immer deutlicher die dringende Notwendigkeit, daß ein – wenn noch so bescheidenes – Presseorgan gegründet werde. (…) So entstand das katholische Wochenblatt „Die Donau“. Es folgte eine fast zehn Jahre dauernde weltanschauliche Aufklärung des Deutschtums in der Batschka und im Banat und ein erbitterter, kompromissloser Kampf zwischen den Vertretern des nationalsozialistischen Neuheidentums und den Vertretern des katholischen Lagers.“

Zwar wurde Berenz oft bedroht und mehrfach angegriffen, doch musste das Blatt erst 1944 sein Erscheinen einstellen – und zwar auf Druck Berlins gegenüber der ungarischen Regierung.

Im Mai 1944 wurde Berenz von der Gestapo verhaftet. Dank der Intervention des katholischen Erzbischofs in Kalocsa konnte er dem Konzentrationslager entkommen und flüchtete nach Kalocsa, wo er bis zu seinem Tod 1986 lebte.


Adam Berenz galt als Vermittler zwischen der deutschen Minderheit und anderen ethnischen Gruppen in Jugoslawien – ein Verdienst, der ihm bis heute Anerkennung einbringt. Neuerdings wird er auch in Serbien geehrt, wie die Ausstellung im Donauschwäbischen Museum des Stadtmuseums Sombor zeigt. Der Verein „Adam Berenz“ in Apatin sieht sich als Bewahrer seines Nachlasses und als Vertreter der deutschen Minderheit in der Gemeinde Apatin. Das ehemalige Pfarrhaus, das inzwischen in ein Kulturzentrum umgewandelt wurde, beherbergt persönliche Gegenstände von Berenz, darunter Bücher und Jahrgänge der Zeitschrift „Die Donau“.

Osterei mit Ziegenmuster

Weit mehr als Dekoration

Das Färben von Eiern zu Ostern ist einer der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Osterbräuche weltweit. Diese Tradition, die in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Formen annimmt, spiegelt die lokale Folklore, Geschichte und Kunstfertigkeit wider. Regional haben sich einzigartige Techniken, Muster und Farbkombinationen entwickelt, die von einfachen Färbeverfahren bis hin zu hochkomplexen Verzierungsmethoden reichen. Eine ganz besondere Magie geht von der ukrainischen Pysanka-Tradition aus.

2024

April

Osterei - Pysanka

Wolhynien auf der Europakarte

Datierung: unbekannt

Material: Hühnerei, Wachs, Farbe

Herstellungsort: vmtl. Wolhynien, Ukraine

Sammlung: Ukrainian Museum of Canada, Saskatoon, Kanada

Foto: Ukrainian Museum of Canada, Saskatoon, Kanada

Dieses besondere Osterei, ein Pysanka, ist ein Teil der Sammlung des Ukrainischen Museums in Saskatoon, Kanada. 

Was es so einzigartig macht, ist das seltene Ziegenmotiv mit dem darauf abgebildeten Mäander-Muster („Laufender Hund“). Dieses Muster ist eines der ältesten und symbolträchtigsten Designs, die auf Pysankas zu finden sind. Die endlosen Linien des Mäanders symbolisieren Ewigkeit, Harmonie und Bewegung und werden oft mit Schutz und Kraft in Verbindung gebracht. In den bergigen Gegenden der Ukraine findet man feine, zierliche Mäander, während sie in den zentralen und östlichen Regionen größer und ausdrucksstärker sind als Spiegelbild der weiten Landschaften. Das lebhaft-lockere Wellenmuster dieses Mäanders deutet darauf hin, dass diese Pysanka vermutlich aus Wolhynien, einer Region im Nordwesten der Ukraine, stammt.

Die Farben auf ukrainischen Pysanky tragen tiefe symbolische Bedeutungen. So steht Schwarz für Ewigkeit und das Jenseits, Rot symbolisiert Glück und Leidenschaft, Grün verkörpert Hoffnung, während Rosa Erfolg und Zufriedenheit repräsentiert. Auch die Muster selbst sind voller Bedeutung: Tiere deuten auf Gesundheit und Wohlstand hin, Dreiecke können sowohl die Heilige Dreifaltigkeit als auch die Familie – Vater, Mutter und Kind – darstellen.


Pysanky sind weit mehr als bloße Osterdekorationen. Sie werden als Glücksbringer und Beschützer der Familie angesehen. Traditionell werden sie nicht nur zu Ostern, sondern auch zu Hochzeiten oder Geburtstagen verschenkt. In der Vergangenheit legte man sie in Krippen oder Nester für Tiere und bewahrte sie im Haus nahe der Ikone auf, als Symbol des Schutzes und der Segnung.

Ukrainische Ostereier mit patriotischen Symbolen

Interessanterweise spiegeln die Motive auf den Pysanky oft auch historische und politische Veränderungen wider.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Zeit nationaler Unabhängigkeitsbewegungen, und Anfang der 1990er Jahre, als die Ukraine ihre Unabhängigkeit erlangte, erschienen patriotische Symbole wie der Dreizack oder die ukrainische Flagge auf den Eiern. Seit dem Ausbruch der russischen Invasion sind erneut patriotische Motive zu sehen, darunter der Wassylkiwer Hahn oder Darstellungen von Traktoren, die gepanzerte Fahrzeuge ziehen, als Zeichen des Widerstands und der nationalen Einheit. (Bild: Sakateka,Писанки нові,CC BY-SA 4.0)

In vielen Sprachen werden Ostereier nicht als "bemalt", sondern eher als "beschrieben" bezeichnet. Der ukrainische Begriff für das Osterei, "Pysanka", stammt von "schreiben" ab. Die kunstvollen Motive werden mit heißem Wachs auf das Ei "geschrieben". Dieses Wachs dient als Schutzschicht, die verhindert, dass der Farbstoff bestimmte Teile des Eis erreicht. Die Künstlerinnen tragen Muster auf, färben das Ei dann ein und tragen Schicht für Schicht weitere Muster auf, wobei sie allmählich zu dunkleren Farbtönen übergehen. Am Ende wird das Wachs abgeschmolzen, wodurch das beeindruckende Ergebnis zum Vorschein kommt.


Traditionell wurde die Herstellung der Pysanky den erwachsenen Frauen überlassen. Diese Kunst wurde über Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben. Die Frauen begannen mit dem Gestalten der Pysanky abends, nachdem die täglichen Arbeiten erledigt waren. Für komplexere Designs waren oft mehrere Nächte nötig. Je nach regionaler Tradition wurden die meisten Pysanky in der letzten Fastenwoche des orthodoxen Kirchenkalenders gefertigt.

Für die ukrainische Diaspora in Kanada sind Pysanky besonders bedeutsam, da sie eine tiefe Verbindung zur Kultur ihrer Vorfahren darstellen. Die ersten ukrainischen Einwanderer kamen im 19. Jahrhundert nach Kanada. Heute zählt die ukrainisch-stämmige Bevölkerung dort über 1,2 Millionen Menschen. In den 1930er Jahren, als die ukrainische Kultur in Kanada weitgehend unbekannt und unter der Herrschaft Stalins im Mutterland bedroht war, gründete der Ukrainische Frauenverband im Jahr 1936 das Museum in Saskatoon. Dieses Museum hat sich mittlerweile zu einem Netzwerk von Museen entwickelt. 

Riesen Osterei in Kanada

Alberta ist eine Provinz, wo es besonders viele Menschen leben, die mit der ukrainischen Kultur verbunden sind. So wurde hier 1975 das „Vegreville egg“, eine riesige Pysanka, aufgestellt.  (Bild: Myke2020,Vegreville pysanka August 2008)