Die Krakauer Szopka, eine außergewöhnliche Form der Weihnachtskrippe, ist weit über Polen hinaus bekannt. Ihre Einzigartigkeit liegt in der Verbindung von traditioneller Krippendarstellung mit der Architektur berühmter Gebäude Krakaus, insbesondere der Marienkirche, deren Türme und der Marien-Altar von Veit Stoß immer wieder zitiert werden.
Dezember
Die Tradition dieser Tragekrippen, die ursprünglich für Krippenspiele junger Leute genutzt wurden, entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Szopki werden aus einfachen Materialien wie Karton und farbigem Metallpapier – oft wiederverwendete Verpackungen von Schokolade oder Bonbons – gefertigt. Figuren bestehen aus Draht und Stoffresten, und ein elektrisches Licht bringt die filigranen Details in der abendlichen Präsentation prachtvoll zur Geltung.
Typisch für die Szopki ist die Darstellung der Heiligen Familie, begleitet von Figuren wie dem traditionellen Lajkonik-Reiter. Auf den Dächern prangen oft polnische Fahnen und der polnische Adler. Die Fertigung dieser kunstvollen Krippen erfordert viele Arbeitsstunden, an denen sich Krakauer Familien aus allen sozialen Schichten beteiligen.
Besonders hervorzuheben ist der Krakauer Szopka-Wettbewerb, der seit 1937 jährlich stattfindet. Der Wettbewerb zieht nicht nur Handwerker und Künstler an, sondern auch Touristen und Einheimische, die sich die Werke anschauen. Die Krippen werden in der Regel ausgestellt, und viele von ihnen sind mit beweglichen Teilen ausgestattet, die das weihnachtliche Geschehen lebendig machen. Ein weiterer interessanter Aspekt der Weihnachtskrippe ist die Integration von Krakauer Wahrzeichen und lokalen Traditionen in das Design. Neben der klassischen biblischen Darstellung der Geburt Jesu sind in vielen Krakauer Szopkas auch Szenen aus dem alltäglichen Leben der Stadt und historische Figuren zu finden. So wird die Szopka zu einem Ausdruck der lokalen Identität und Kultur.
Die Szopka ist seit 2018 als immaterielles Kulturerbe der Menschheit der UNESCO gelistet.
Nachhaltige Weihnachtsbäume, die Jahr für Jahr wiederverwendet werden können, sind keineswegs eine moderne Erfindung. Sie sind eine Tradition, die in einigen Regionen Ungarns, Serbiens und Kroatiens lange gepflegt wurde. Dort, wo echte Tannenbäume selten sind, haben Menschen kreative Alternativen entwickelt: Sie binden Weihnachtsbäume aus stacheligen Ästen oder zimmern sie kunstvoll aus Holzlatten und Stäben zusammen.
Aus Nova Pazova in Syrmien, gelegen in der autonomen Provinz Vojvodina, stammt dieser Weihnachtsbaum. Er ist aus einem dicken Holzstab gefertigt, aus dem 24 schmale, angespitzte Holzstäbe schräg herausragen. Das in Grün lackierte Bäumchen thront auf einem Sockel.
In seiner Einsatzzeit als Weihnachtsbaum waren seine „Zweige“ mit Nüssen, Äpfeln oder getrockneten Früchten bestückt und festlich geschmückt. Während der Weihnachtszeit zierte das Bäumchen das Fenster, zur Freude aller Betrachter und außer Reichweite naschender Kinderhände.
In der Vojvodina begann die Tradition des Weihnachtsbaumschmückens, wie wir es heute kennen, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, besonders in bürgerlichen Familien. Bei der ländlichen Bevölkerung war es jedoch bis in die 1960er Jahre hinein üblich, anstelle von Tannenbäumen verschiedenste, leichter verfügbare Zweige zu verwenden. Neben kunstvoll aus Latten oder Holzstäben gezimmerten Weihnachtsbäumen waren vor allem Gleditsia-Zweige beliebt. Diese Zweige und Dornen wurden mit Seidenpapier umwickelt und zu kleinen Bäumchen zusammengebunden oder verflochten. Dann wurden sie in Blumentöpfen „gepflanzt“ und mit vergoldeten Walnüssen und Äpfeln geschmückt. Auch Weißdorn-, Schlehdorn- oder Obstbaumzweige wurden auf ähnliche Art und Weise dekoriert.
Der Weihnachtsbaum aus Nova Pazova hat eine lange Reise hinter sich. Ursprünglich stammt er aus einem Dorf, das 1791 in einem Sumpfgebiet nahe der Donau gegründet wurde und heute praktisch ein Vorort von Belgrad ist. Nach den Türkenkriegen wurde es für die Habsburgermonarchie wichtig, die dünn besiedelten Gebiete neu zu besiedeln. Viele der ersten Siedler waren Katholiken, doch mit den josefinischen Reformen fanden auch evangelische Kolonisten aus Württemberg in dieser damals noch an das Osmanische Reich grenzenden Region ihr neues Zuhause. Sie gründeten neben dem hauptsächlich von Slowaken und Serben bewohnten Stara Pazova das Dorf Nova Pazova, das im Laufe von 150 Jahren zu einer blühenden Gemeinde heranwuchs.
Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Leben in Nova Pazova dramatisch. Im Herbst 1944 begann die deutsche Armee mit der Evakuierung, und die ersten Pferdewagen verließen Anfang Oktober das Dorf. Der zirka 300 Wagen starke Treck war über einen Monat lang über Ungarn in Richtung Österreich unterwegs. Viele der deutschen Dorfbewohner fanden schließlich in Baden-Württemberg eine neue Heimat.
Bei der Flucht nahmen die Menschen nur das Nötigste für einen Neubeginn und einige Erinnerungsstücke an ihre alte Heimat mit. So gelangte der Weihnachtsbaum aus Nova Pazova nach Baden-Württemberg und schließlich in die Sammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm.
© Alle Rechte vorbehalten