Professor Balthasar (Profesor Baltazar) ist eine jugoslawische Zeichentrickserie für Kinder, die zwischen 1967 und 1978 im Studio Zagreb Film produziert wurde. Insgesamt wurden 59 Episoden geschaffen, die weltweit Kultstatus erlangten.
Im Zentrum der Serie steht der liebenswürdige Professor Balthasar, ein genialer Erfinder, der in jeder Folge mit einer magischen Maschine kreative Lösungen für die Probleme seiner Mitmenschen findet. Statt verständlicher Sprache nutzen die Figuren eine Art Fantasiesprache, während ein Erzähler die Handlung erklärt.
Die Serie hebt sich durch die völlige Abwesenheit von Gewalt ab. Es gibt keine Bösewichte oder Kämpfe zwischen Gut und Böse. Stattdessen stehen alltägliche Probleme im Fokus, die der Professor mit Witz, Fantasie und Vernunft löst. Diese pazifistische Botschaft war in einer Zeit, in der viele Animationsfilme von stilisierter Aggression geprägt waren, revolutionär.
„In Balthasar gab es keine Szenen, in denen jemand mit einem Schläger auf den Kopf geschlagen wurde, niemand stürzte in einen Abgrund, und keine Figur legte eine Bombe unter den Hintern einer anderen" - erinnerte sich einer der Zeichner. „Sie zeigte den jungen Zuschauern, wie man Hindernisse mit Freundlichkeit und klugen Ideen überwinden kann."
Professor Balthasar wurde in zahlreichen Ländern gezeigt, darunter in Italien, Portugal, den Niederlanden, Australien, Neuseeland und den USA. Besonders in den skandinavischen Ländern wurde die Serie wegen ihrer optimistischen und gewaltfreien Botschaft geschätzt, wo die Serie bis heute Kultstatus genießt.
Die fiktive Stadt Baltazar-grad (Balthasar-Stadt), in der die Geschichten spielen, ist stark von der kroatischen Hafenstadt Rijeka inspiriert. Die urbane Ästhetik, der Hafen und die industrielle Atmosphäre Rijekas prägten die Kulisse. Im Jahr 2020, als Rijeka den Titel der Kulturhauptstadt Europas trug, wurde Professor Balthasar die erste große Ausstellung gewidmet.
Die Serie spiegelt auch die Welt der Arbeiter und Handwerker wider, deren oft übersehene Tätigkeiten durch den Professor gewürdigt werden. Einer der Animatoren bemerkte dazu: „Es war in der Tat eine sehr exklusive Arbeit, insbesondere im heutigen digitalen Zeitalter, da es sich ausschließlich um Handarbeit handelte – klassischerweise 24 Zeichnungen in einer Sekunde. Vielleicht hat unser Balthasar deshalb immer die Probleme von Menschen gelöst, die etwas mit ihren Händen machten.“
2007 wurde ein Projekt zur Rettung der Serie gestartet, da das Archivmaterial zu verfallen drohte. Alle Einzelbilder wurden restauriert und digitalisiert, wodurch die Serie für neue Generationen erhalten blieb. Heute ist Professor Balthasar ein Symbol für die kreative Leistung Kroatiens und ein Zeugnis für die Stärke von Teamarbeit und künstlerischer Hingabe.
Die Geschichten, die von den Animatoren selbst entwickelt wurden, verbinden Fantasie mit Alltagsnähe und bleiben ein Beispiel für die Kraft gewaltfreier Problemlösungen.
Im Jahr 2016 wurde dem ikonischen Professor eine Skulptur in Zagreb gewidmet, ein weiteres Zeichen seiner andauernden kulturellen Bedeutung.
Wer Familie Mézga nicht kennt, der oder die hat eventuell was verpasst. Das lässt sich leicht ändern. Fangen wir mit den Abbildungen auf dem Schokoladenpapier aus den 1970er Jahren an. Die einzelnen Familienmitglieder sind die Protagonisten der Trickfilmserie „Die Abenteuer der Familie Mézga“, eine Serie, die in drei Staffeln produziert wurde und weit über das ungarische Fernsehen hinaus, vor allem in der DDR, sowie in Tschechien, in der Slowakei, in Brasilien und in Italien als Kultserie galt.
Aber ganz von vorn:
Was war drin? In den Verpackungen steckten die Produkte der Schokoladenfabrik in Szerencs. Die Fabrik feierte 2023 ihren 100. Geburtstag. Die Marke Szerencs bereicherte bereits 1923 den Süßigkeiten-Markt mit ihren Köstlichkeiten. Die Schokolade, die sich in dem Papier befand, trug die Nummer 601 und war die beliebteste und meistverkaufte Milchschokolade der 60er, 70er und 80er Jahre in ganz Ungarn.
Was war drauf? Vater Géza, Mutter Paula, die Sprösslinge Aladár und Kriszta, sowie der Ur-ur-ur-ur-Enkel MZ/X.
Die Schokoladenfabrik kaufte damals die Bild-Rechte von den Produzenten der Serie, weil die Zeichentrickfilme sich großer Beliebtheit und internationaler Bekanntheit erfreute. Auch damals in der Planwirtschaft war Verpackung und Vermarktung ein wichtiges Thema. Die Idee ging auf: allein von den 20 Gramm Täfelchen mit den Abbildungen der Familie Mézga wurden bis 1976 80 Millionen Stück verkauft. Übersetzt man die damaligen ungarischen Löhne in die Gegenwart, waren die Tafeln für 2,5 Forint, was heute 2,20 € für 20 Gramm Schokolade bedeuten würde, nicht gerade günstig.
Aladár, alias Adolar oder Archibald.
Ein Werk des ungarischen Streetart-Künstlers, MARK. Budapest, 2023
Die ersten Episoden der Serie wurde 1970 im ungarischen Fernsehen ausgestrahlt. Bis heute werden die drei Staffeln immer wieder gezeigt, es gibt DVDs und sogar Theaterstücke basierend auf den Inhalten einzelner Folgen. Der Humor, die subtile Ironie und die versteckte Gesellschaftskritik, die den osteuropäischen Filmemachern eigen sind, charakterisieren die Filmsprache und bestimmen die Geschichten.
Die Familie Mézga (Metzger in Deutschland, Mezil in Italien oder die Smolikovy für die tschechischen und die Miazgovci für die slowakischen Zuschauer) ist auf den ersten Blick eine ganz durchschnittliche Familie der 70er Jahre. Géza, der Vater, arbeitet als Buchhalter und ist ein vollkommener Pantoffelheld. Paula, Mutter und Hausfrau mit schwachen Nerven, doch wenn es um das Wohlergehen der Familie geht, verwandelt sie sich in eine Löwin.
Tochter Kriszta ist eine anstrengende und zynische Pubertierende, die sich nur für ihre Gitarre interessiert und absichtlich schlechte Leistungen in der Schule erbringt. Ein gar nicht durchschnittliches Mitglied der Familie ist der Ur-ur-ur-ur-Enkel MZ/X aus dem 30. Jahrhundert. Aber die eigentliche Hauptfigur der Serie ist der Sohn Aladár. Er ist 12 Jahre alt und ein Genie. Dank seiner Erfindungen kann er vom nervigen Alltag der damaligen Gegenwart in andere Welten, auf andere Planeten entfliehen. Große Hilfe ist ihm dabei sein Ur-ur-ur-ur-Enkel MZ/X aus der Zukunft. Diejenigen, die ihre Kindheit in der DDR verbrachten, kennen ihn unter dem Namen Adolar. Für die Kinder im Westen hieß er Archibald.
„Als ich klein war, habe ich mich manchmal weit weg von meinem Hier und Jetzt geträumt.“
Diesen Kommentar schrieb eine Zuschauerin unter eine der Episoden der Trick-Serie aus der Staffel „Adolars Fantastische Abenteuer“.
Es war leicht mit Adolar in fremde Welten zu reisen. Ganz anders als in der eigenen Realität. Und diese Begeisterung hält bis heute an. Viele Menschen im östlichen Teil der heutigen Bundesrepublik erinnern sich noch gut an die Kultserie:
„Unser Bandname ist eine Liebeserklärung an diese wundervoll verrückte Zeichentrickserie“ erzählen die Mitglieder der 2008 gegründeten Indie-Punk-Rock-Band „Adolar“ aus Sachsen-Anhalt. Auch ihnen hilft Adolar beim Wegträumen: „In der Gesellschaft gibt es immer unzählige Dinge, die einen nerven. Wenn wir einen Adolar-Song spielen, fühlen wir uns im Anschluss immer noch nicht wirklich geborgen auf diesem Planeten. Aber für kurze Zeit macht einen diese Tatsache dann nicht mehr ganz so wütend oder traurig.“
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