Der Internationale Frauentag in Ungarn und weltweit


Der Internationale Frauentag wird in Ungarn seit 1948 am 8. März begangen. Traditionell wurden Frauen an Arbeitsplätzen und in Schulen geehrt, wobei Schneeglöckchen als symbolische Geschenke überreicht wurden.


Das Plakat stammt aus dem Jahr 1952 und ist im Stil des „sozialistischen Realismus“ gehalten. Die Figuren blicken lächelnd und hoffnungsvoll in die Zukunft, wobei die verschiedenen Hautfarben die Internationalität des Frauentags symbolisieren.

2025

März

Plakat

Internationaler Frauentag

Rotbav auf der Europakarte

Datierung: 1952

Material: Papier

Maße: 82 x 58 cm

Sammlung: Széchenyi Nationalbibliothek, Budapest

Im Jahr 1952 gab es in Ungarn jedoch wenig Grund zur Freude. Zu dieser Zeit prägte die sogenannte Rákosi-Ära das Land, benannt nach Mátyás Rákosi, der ab 1949 eine totalitäre Diktatur nach stalinistischem Vorbild errichtete. Ungarn wurde zu einem Polizeistaat, in dem totaler Terror herrschte. Das Regime war gekennzeichnet durch die Grausamkeiten der Geheimpolizei, inszenierte Schauprozesse, die Deportation „klassenfremder Elemente“ in gulagähnliche Lager und zahlreiche Hinrichtungen. Gleichzeitig dominierte ein ausgeprägter Personenkult um Rákosi und Stalin, begleitet von erzwungener Kollektivierung und einer wirtschaftlich unsinnigen Förderung der Schwer- und Rüstungsindustrie.


Der Internationale Frauentag wurde erstmals am 19. März 1911 in Österreich, Dänemark, Deutschland und der Schweiz gefeiert. An den Demonstrationen und Umzügen nahmen auch viele Männer teil, wobei der Schwerpunkt damals auf dem Kampf um das Frauenwahlrecht lag.


Der 8. März wurde 1921 auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau als Gedenktag zur Ehrung der Rolle der Frauen in der Sowjetrevolution eingeführt. Ein weit verbreiteter Mythos führt den Ursprung dieses Datums auf einen Streik von Textilarbeiterinnen am 8. März 1857 in New York zurück. Später übernahmen die Vereinten Nationen (UN) dieses Datum und erklärten es zum „Tag der Rechte der Frau und des Weltfriedens“. Am 8. März 1975 veranstalteten sie erstmals eine offizielle Feier zu diesem Anlass.


Seit den 1980er Jahren machen Frauenorganisationen an diesem Tag bei Demonstrationen auf ihre Forderungen aufmerksam und rücken die bedeutende Rolle der Frauen in der Gesellschaft sowie ihre Verwundbarkeit in den Fokus. Sie betonen, dass die vom Staat gewährte rechtliche Gleichstellung wenig bedeutet, wenn sie nicht auch mit Chancengleichheit einhergeht.

Die Situation von Frauen in Ungarn ist von gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen geprägt. Traditionelle Geschlechterrollen dominieren, obwohl nahezu alle Frauen berufstätig sind. Häusliche Gewalt stellt weiterhin ein ernstes Problem dar, wobei die Umsetzung von Schutzmaßnahmen unzureichend bleibt. Ungarn hat das Istanbul-Abkommen, ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, zwar 2014 unterzeichnet, jedoch bis heute nicht ratifiziert. Im Jahr 2020 lehnte das ungarische Parlament die Ratifizierung ab. Die Regierung argumentierte, dass bestimmte Inhalte des Abkommens, insbesondere in Bezug auf Genderdefinitionen, ungarischen Werten und Gesetzen widersprächen. Feministische Initiativen werden zudem häufig politisch marginalisiert.


Zwei Märzchen

Die kulturelle Reise der Mărțișoare

Der 1. März ist in Rumänien, Moldawien und in Teilen Bulgariens ein traditioneller Feiertag, der den Beginn des Frühlings markiert und mit verschiedenen Bräuchen und Traditionen verbunden ist. Eine ganz besondere Rolle spielen die Märzchen, oder wie sie bei den Einheimischen genannt werden: mărţişoare. Raluca fertigt diese Schmuckstücke an und erzählt uns mehr über sie und ihre Bedeutung.

2024

März

Zwei Märzchen, mărţişoare

Rotbav auf der Europakarte

Datierung: 2023
Material: Baumwolle
Maße: 6x4cm, 5x4 cm
Herstellungsort: Rotbav (Rothbach), Rumänien
Sammlung: Privatbesitz

Foto: Lucia Szalay

„Das Mărțișor ist ein kleiner Schmuck, der an einer aus einem weißen und einem roten Faden geflochtenen Schnur befestigt ist. Die bekanntesten Glücksbringer sind das Schneeglöckchen, das Hufeisen und das vierblättrige Kleeblatt. Es wird jedes Jahr am 1.
März von Jungen an Mädchen, von Männern an Frauen verschenkt. Sie tragen die Glücksbringer den ganzen Monat. Danach wird es an den Zweigen eines Obstbaums befestigt, es soll Reichtum für die Haushalte bringen.

Es heißt, wenn man sich etwas wünscht, während man das Mărțișor an den Baum hängt, wird dieser Wunsch in Erfüllung
gehen. Übrigens ist das Wort Mărțișor die Verkleinerungsform von „marț“, dem alten volkstümlichen Namen für März und bedeutet wörtlich "Märzchen".
Zum Mărțișor gibt es auch ein Märchen. Es erzählt, wie die Sonne in Form eines schönen Mädchens auf die Erde kam. Doch ein "Zmeu" stahl sie und sperrte sie in seinem Palast ein. Da hörten die Vögel auf zu singen, die Kinder vergaßen Spiel und Fröhlichkeit, und die ganze Welt verfiel in Traurigkeit. Als ein tapferer junger Mann sah, was ohne die Sonne geschah, machte er sich auf den Weg zum Palast des "Zmeu", um das schöne Mädchen zu befreien. Er suchte ein Jahr lang nach dem Palast, und als er ihn fand, rief er den „Zmeu“ zum Kampf. Der junge Mann besiegte die Kreatur und befreite das Mädchen. Es stieg zurück
in den Himmel und die Sonne erleuchtete wieder die ganze Erde. Der Frühling kam, die Menschen gewannen ihre Fröhlichkeit zurück.
Die rote Farbe symbolisiert die Liebe zur Schönheit, erinnert an den Mut der Jugend, und das Weiß symbolisiert das Schneeglöckchen, die erste Blume des Frühlings. Für das rumänische Wort "zmeu" konnte ich keine richtige Übersetzung finden. Es bezieht sich auf eine Kreatur in unseren Volksmärchen. Ich habe vor kurzem mit dem Häkeln dieser Mărțișor begonnen, da ich von meiner Mutter für die Kunst des Häkelns inspiriert wurde. Für mich ist das eine Möglichkeit, diese Tradition mit der Kunst des Häkelns zu verbinden und weiterzuführen.
Mein erstes Mărțișor habe ich im Kindergartenalter bekommen. Normalerweise behalte ich die Mărţişoare, die ich von einem Jahr zum anderen bekomme.“

Märzchen

In Deutschland findet das Märzchen ebenfalls Anklang. Die Gemeinschaft der ehemaligen deutschsprachigen Minderheit aus Rumänien, insbesondere die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben, die infolge von Flucht, Freikauf oder Umsiedlung nach der rumänischen Revolution nach Deutschland kamen, bewahrt diese Tradition als lebendige Brücke zur alten Heimat. Ebenso pflegt die in Deutschland ansässige rumänische Gemeinde das Märzchen als ein kostbares Stück ihrer kulturellen Identität, ein Symbol der Verbindung mit ihren Wurzeln und Traditionen.

„Zu Frühlingsbeginn stiegen Vorfreude und Aufregung, was die sowieso schon heiß ersehnte Post betraf. Dann wurden die Briefe dicker und ich konnte im Umschlag kleine Unebenheiten ertasten, die mein junges Herz höherschlagen ließen. Ich wusste schon was mich darin erwartete, nämlich meist kleine Kärtchen an die eine aus rot-weißen Seidenfäden verzwirbelte Kordel mit einem Anhänger geheftet war. Noch von früher aus Temeswar kannte ich diese “Mărţişoare”, Glücksbringer, die wir uns als Kinder gegenseitig Anfang März geschenkt hatten, Symbole des Frühlings und der Wiedergeburt der Natur.“


„Jahrelang erreichten mich im Frühling solche Glück- und Segenswünsche, in einer Zeit in der nur die Korrespondenz die Bindung zu den Menschen in meinem Geburtsort aufrechterhielt, da persönliche Begegnungen nicht möglich waren. Sie trugen mich in einer Phase der Entwicklung und Neufindung in Deutschland." Rot und weiß, die Farben des “Mărțișors”, ursprünglich die Gegensätze Winter-Frühling, Blut-Schnee, Feuer-Wasser symbolisierend, wurden für mich ein Bindeglied zwischen der Vergangenheit in Rumänien und meiner Zukunft in Deutschland.“


Die letzten zwei Zitate stammen aus dem Blogbeitrag „Die rot-weiße Nabelschnur“ von Astrid Ziegler. In Rumänien geboren, siedelte sie 1980 als Kind mit den Eltern nach Deutschland über.


Die Traditionen und Praktiken rund um das Märzchen sind seit 2017 Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.