„Das ist mein Abschlussfoto vom Gymnasium in Brünn. Ich bin in der vierten Reihe, zweite von links. Die Schule hieß Jüdisches Reform-Realgymnasium. Ich habe 1934 meinen Abschluss gemacht. Die Schule genoss einen ausgezeichneten Ruf. Der Unterricht fand vollständig in Deutsch statt. Es gab etwa 300 Schüler“ – erzählt Stefan Strelecky. „Ich wurde 1913 in
Ľubietová geboren. Zu dieser Zeit gehörte es zu Österreich-Ungarn.
In meinem Ort gab es fünf jüdische Familien und niemand überlebte – außer mir.“
Mai
Bereits in der Habsburgermonarchie strebten jüdische Gemeinden nach Bildungsstätten, die jüdische Werte und Kultur vermitteln sollten. Erst mit der Gründung der Tschechoslowakei und der Anerkennung der jüdischen Minderheit als Nationalität durch die Verfassung von 1920 konnte dieses Ziel verwirklicht werden. Obwohl der Staat als tschechoslowakisch definiert war, blieb er ein Vielvölkerstaat. Bei der Volkszählung 1921 konnte erstmals die jüdische Nationalität angegeben werden. Etwa 30 % der jüdischen Bevölkerung in den böhmischen Ländern machten davon Gebrauch, während die Mehrheit sich als Tschechen oder Deutsche bezeichnete.
Prag eröffnete 1920 die erste jüdische Schule, an der unter anderem Franz Kafkas Schwester Valli Pollak unterrichtete. Im selben Jahr wurde in Brünn die Jüdische Reform-Realschule gegründet, die nach einer Unterbrechung im Januar 1921 ihren Betrieb wieder aufnahm.
Wie der Interimsdirektor in seiner Eröffnungsrede erklärte, solle die Schule jüdische Jugendliche im Geiste der Traditionen und Bräuche des jüdischen Volkes erziehen. Ziel sei es, sie aus einem Umfeld herauszuholen, in dem sie sich schämten oder Angst hatten, das Wort „jüdisch“ zu verwenden, weil es oft als Demütigung oder Beleidigung empfunden wurde. „Wir wollen ihnen beibringen zu verstehen, dass es auch schön ist, jüdisch zu sein“.
Zudem sollte das Gymnasium ein spirituelles Zentrum für das Brünner Judentum werden. Der Unterricht folgte dem Lehrplan anderer öffentlicher Schulen in der Tschechoslowakei, mit der Ausnahme, dass moderner Hebräisch-Unterricht ab der ersten Klasse angeboten wurde. Das Lehrpersonal bestand größtenteils aus Lehrern öffentlicher weiterführender Schulen, insbesondere aus deutschen Lehrkräften.
Ursprünglich war die Unterrichtssprache Deutsch, wobei auch Tschechisch im Lehrplan enthalten war. Im Schuljahr 1929/30 wurde die erste tschechische Klasse eröffnet, und die Schule entwickelte sich schrittweise von einer deutschsprachigen zu einer tschechischen Schule. Die letzten Reifeprüfungen in deutscher Sprache fanden im Schuljahr 1935/36 statt. Ab dem Schuljahr 1936/37 wurde der Unterricht ausschließlich auf Tschechisch abgehalten.
Ab 1940 nahmen auch jüdische Kinder, die von anderen tschechischen Schulen ausgeschlossen worden waren, das Gymnasium in Anspruch. Doch am 15. Mai 1941 wurde die Schule durch den Tschechischen Landesschulrat für Mähren auf Anordnung des Reichsprotektors geschlossen. Dies markierte das Ende der Schule als eine der letzten jüdischen Bildungseinrichtungen in der Tschechoslowakei.
Mai
Honig ist für uns Menschen eine faszinierende Gabe der Natur. Es gibt viele Mythen, Märchen und Geschichten um ihn, ihm wird Heilkraft nachgesagt, und er versüßt uns jede Speise. Auf allen Kontinenten gibt es Bienen, aber nur in einem Land zählt die Imkerei-Kultur seit 2022 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO: in Slowenien
Die jahrhundertelange slowenische Imkerei-Kultur wird international geschätzt. Dank einer Initiative der mehr als 11.000 Imker im Land wird seit 2018 am 20. Mai der Welt-Bienen-Tag gefeiert. Der Biene und ihrer Bedeutung für das gesamte Ökosystem wird damit die Aufmerksamkeit gewidmet, die sie in der heutigen Zeit braucht.
Als Kulturerbe der Imkerei gelten neben Handwerkstraditionen auch darstellende Künste, sprachliche Ausdrucksformen und das Wissen über die Natur. Ein spezielles Werk der Volkskunst sind bemalte Bienenstockbretter, die insbesondere in den Regionen Gorenjska und Koroška in Slowenien sowie Kärnten in Österreich hergestellt werden.
Bienenstockstirnbretter aus dem 19. Jahrhundert. Aus der Sammlung des Slowenischen Ethnografischen Museums in Ljubljana.
Bereits seit den 1750er Jahren ist die Bemalung dieser Bretter bekannt, die als vordere Stirnbretter den Bienenstock begrenzen. Die kunstvolle Verzierung der Bretter ist außerhalb slowenisch geprägter Regionen unbekannt. Dieser Brauch hatte seine Blütezeit im 19. Jahrhundert. Die Bienenstockbrettchen wurden sowohl von professionellen Künstlern als auch von Laienmalern bemalt. Die Motive orientierten sich meistens an den Wünschen der Kunden und sollten auch dem Schutz der Bienen dienen. Typisch waren deshalb religiöse Motive, aber auch historische Szenen, Bilder aus Märchen, satirische oder allegorische Themen. Die alten Motive spiegeln die Werte der Zeit wider und lassen auf eine für das 19. Jahrhundert typische bäuerliche und patriarchalische Weltanschauung schließen.
Heutzutage werden die Brettchen als Mitbringsel für Touristen hergestellt und neu interpretiert. Die alte Volkskunst wird über die Motivwahl neugestaltet und versteht sich damit als lebendige Kunst.
Auf der Pride Parade im Jahr 2022 in Slovenj Gradec wurde eine Kunstaktion initiiert, die der Neuinterpretation der Motive gewidmet war. Das einzigartige Handwerk wurde im historischen Rahmen der Geschichte in die aktuelle Zeit überliefert, und die
Bienenstockbretter erzählen neue Geschichten in Anlehnung an die Bedeutung der Pride Parade für die Menschen vor Ort. Die Bretter wurden an öffentlichen Plätzen des Städtchens verteilt, an Schulen, Kirchen und in Parks sichtbar angebracht, damit ihre Botschaften alle erreichen.
„Wir sind heute hier, um einen Platz für uns in der slowenischen Geschichte, in der Kärntner Geschichte und Tradition zu fordern. Um einen Platz für die Queers zu fordern und um deutlich zu machen, dass wir schon immer hier waren. Um deutlich zu machen, dass es hier und jetzt einen Platz für uns geben muss.“ „Hier, zuhause, haben wir Gemeinschaft gesucht und gefunden. Wir suchten unsere Geschichte und schrieben unsere Geschichte des Bleibens, des Gebens, des Abschieds, der Sehnsucht, des Verstehens, des Setzens auf Vertrauen, auf Hoffnung.“
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