2025

Oktober

Tragekissen

Die Kunst des Lastentragens

Im Oktober wird geerntet: Feldfrüchte werden eingesammelt, Obst und Gemüse auf den Markt gebracht. Das Objekt für diesen Monat stammt aus Südwestungarn. Ein ringförmiges Kissen aus Baumwolle genäht und mit Sägespänen ausgestopft.

Ein Tragekissen, auch Tragring genannt, ist ein Polster, das beim Tragen von Lasten auf dem Kopf zwischen Kopf und Last gelegt wird. Es kann aus einem einfachen, zu einer Rolle geformten Stoffstück bestehen oder aus einem Stoffring, der mit Materialien wie Sägespänen, Stroh oder Rosshaar gefüllt ist. Manche Tragringe sind kunstvoll gestaltet, etwa aus Stoffkeilen im Patchwork-Stil genäht und mit Zackenbändern, Applikationen oder Stickereien verziert.

Györ auf der Europakarte

Datierung: 1930er Jahre

Material: Baumwolle, Sägemehl

Maße: D x H: 20,5 x 6 cm

Herstellungsort: Somberek/Schomberg, Ungarn

Sammlung: Schwäbisches Haus und Hof in Schomberg

Diese traditionelle Methode, Lasten zu tragen, war weltweit verbreitet. Auch in Europa trugen Frauen so Wasserkrüge oder Waren in Körben – wie etwa Marktfrauen. Lange wurde diese Praxis als energiesparend und gesund gepriesen. Man sagte, sie verleihe den Frauen eine anmutige Haltung und einen eleganten Gang.

Neuere Studien widerlegen jedoch diese romantisierende Sichtweise. Untersuchungen in Tansania und Indien zeigen, dass das Tragen von Lasten auf dem Kopf häufig Rücken- und Knieschmerzen sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule verursacht. Zudem erwies sich diese Methode als nicht so energiesparend, wie oft angenommen wurde.

 

Dieses Tragekissen, aus Stoffresten liebevoll 'upcycelt' und farblich harmonisch gestaltet, ist mit Zackenlitzen und Stickereien verziert. Es gehörte einer deutschsprachigen Frau aus Somberek/Schomberg, einer Gemeinde in der Schwäbischen Türkei.

Die Schwäbische Türkei sucht man vergeblich auf der Landkarte. Der Begriff „Schwäbische Türkei“ entstand im 19. Jahrhundert und bezeichnete die deutsch besiedelten Gebiete im Südwesten Ungarns, insbesondere die Komitate Baranya, Tolna und Somogy.


Nach der osmanischen Eroberung im 16. Jahrhundert und der späteren Vertreibung der Osmanen durch die Habsburger war die Region weitgehend entvölkert. Deutsche Bauern und Handwerker, meist katholisch und aus Süddeutschland stammend, siedelten hier im 18. Jahrhundert. Sie gründeten Dörfer und Marktflecken, betrieben Ackerbau, Weinbau und Handwerk.

So wurde auch Somberek/Schomberg Anfang des 18. Jahrhunderts mit Serben sowie Deutschen aus der Pfalz und dem Schwarzwald besiedelt. Im 20. Jahrhundert erlitt auch dieses Dorf, wie viele andere in der Schwäbischen Türkei, große Veränderungen. Nach 1920 zog der Großteil der serbischen Bevölkerung in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Deutsche vertrieben. An ihrer Stelle kamen Szekler, die zunächst aus der Bukowina nach Jugoslawien umgesiedelt worden waren und am Ende des Zweiten Weltkriegs von dort fliehen mussten. Außerdem wurden Ungarn, die aus der Tschechoslowakei vertrieben worden waren, in den Häusern der früheren deutschen Bevölkerung angesiedelt.

Anfangs von Konflikten belastet, spielt die unterschiedliche Herkunft heutzutage keine Rolle mehr; das Dorf ist eine gut zusammengewachsene Gemeinschaft

2024

Spardose in Form einer Hundehütte

Oktober

Mechanische Spardose „Hundehütte“

Sparschwein oder Hundehütte?

Dass das Schwein als das Symbol für Sparen gilt, geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Weltspartag allerdings jährt sich erst zum hundertsten Mal. Am 31. Oktober 1924 wurde er auf dem Internationalen Sparkassenkongress ins Leben gerufen, um Kindern und Erwachsenen einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu vermitteln. Früher hat man tatsächlich Schweine „gespart“ für schlechte Zeiten, heute ist es hauptsächlich das Geld, und der Weltspartag wird vor allem von Geldinstituten beworben.

Györ auf der Europakarte

Datierung: 1960 – 1970er Jahre
Material: Blech
Maße: 12,9 x 7 x 8,5 cm
Herstellungsort: Ungarn
Sammlung: Óbudai Múzeum, Budapest

Foto: Györgyi Sárospataki

In Ungarn machte eine Hundehütte dem Sparschwein in den 1960er Jahren Konkurrenz. Die beliebteste mechanische Spardose mit beweglichen Teilen begeisterte viele Kinder und heute noch viele Erwachsene.


Mechanische Spardosen sind Spardosen aus Gusseisen oder Blech mit beweglichen Teilen. Sie entstanden im 19. Jahrhundert in großer Zahl in den USA, da die eisenverarbeitende Industrie nach dem Ende des Bürgerkriegs nicht mehr ausgelastet war und statt Waffen Haushaltsgeräte und Spielzeuge hergestellt wurden. Viele der dort hergestellten Spardosen waren mit ausgefeilten Mechaniken versehen. Im frühen 20. Jahrhundert wurde Deutschland in Europa zum führenden Hersteller von Blechspielzeugen. Der Einsatz leistungsfähiger Stanzmaschinen und die Tatsache, dass das Weißblech auch mit Farblithografie bedruckt werden konnte, machten die bunten und leichten Spielzeuge preiswert und beliebt. So wurden auch Spardosen, mechanische und einfache, hergestellt.


Mechanische Spardosen sollten Kinder zur Sparsamkeit erziehen, doch für die meisten war das Spielen der größere Anreiz. Besonders beliebt war in Deutschland eine Spardose mit einem Specht. Man steckte die Münze in das Metallhäuschen und drehte an der Kurbel, woraufhin der Specht erschien, sich das Geld schnappte und damit im Häuschen verschwand. Es gab auch Spardosen, die aussahen wie ein Postamt oder eine Bank mit einem Schalter, hinter dem ein Angestellter saß, der das Geld in Empfang nahm. Das Geld konnte man hinterher immer mit einem Schlüssel aus der Spardose holen und, wenn man Spaß daran hatte, vorn wieder hineinstecken.


Mit einem ähnlichen Mechanismus funktioniert auch die ungarische Hundehütten-Spardose. Aus der Hütte schaute ein Hund heraus. Man musste das Geld auf seine Zunge legen, die er "verschluckte" und so das Geld sparte. Um an das Geld zu kommen, konnte man den Boden der Hundehütte mit einem Schlüssel öffnen.


Mit diesen Spardosen konnte man nur Münzgeld sparen, keine Geldscheine. Damals, als die Hundehütten-Spardose sich so großer Beliebtheit erfreute, war Kleingeld allerdings auch viel mehr wert als heutzutage.


„So ein Ding habe ich auf jeder Kirmes bekommen :) Weil es immer auseinander ging. Meistens war es die Zunge des Hundes oder ich habe den Schlüssel verloren. Ich habe es geliebt!“, ein Kommentar auf retronom.hu (eine ungarische Website, die sich auf Nostalgie und historische Inhalte konzentriert) aus 2010.


Die Hundehütten-Spardose wurde 1961 zum ersten Mal in Ungarn verkauft. Sie wurde in einer Blechwarenfabrik in Győr hergestellt, und ein Großteil der Produktion war für den westlichen Export bestimmt. Die Fabrik wurde 1992 geschlossen, aber noch einige Jahre lang produzierte eine Nachfolgefirma Spielzeuge, bis die Produktion endgültig eingestellt
wurde. Viele der Blechspielzeuge aus Győr genießen inzwischen Kultstatus. Dass man die Hundehütten-Spardose auch heute noch, sogar in Deutschland, kaufen kann, liegt daran, dass für die Nostalgieliebhaber Repliken hergestellt werden, meist in China produziert. Aber die Hundehütten-Spardosen kommen aus Indien.