
Oktober
Im Jahr 1828 ließen sich deutschsprachige Familien aus Böhmen im Urwald des Semenic-Gebirges nieder. Das Gebiet gehörte damals zur Militärgrenze der Habsburgermonarchie; die Siedler leisteten Militärdienst, während sie sich eine eigene Existenz aufbauten. Doch die zugesagte Unterstützung blieb aus. Harte Winter und kühle Sommer nahmen den Neuankömmlingen rasch die Hoffnung. Bereits nach fünf Jahren hatten alle 36 Gründerfamilien das Dorf wieder verlassen.
Lindenfeld wurde daraufhin von Bewohnern aus den umliegenden Ortschaften neu besiedelt und entwickelte sich trotz der kargen Böden und des ungünstigen Klimas zu einem blühenden Dorf. Die Einwohner lebten vor allem von Viehzucht, Holzfällerei und Köhlerei.

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Datierung: Anfang 20. Jahrhundert
Material: Glas, Holz
Herstellungsort: Lidenfeld, Rumänien
Sammlung: Privatbesitz
Im 20. Jahrhundert kam diese Entwicklung zum Stillstand. Zwar verfügte Lindenfeld über eine Schule, ein Wirtshaus und eine Kirche, doch der Bau einer ganzjährig zuverlässig befahrbaren Straße blieb aus. Das Dorf geriet zunehmend in Abgeschiedenheit. Die jüngere Generation zog zunächst in größere Nachbarorte, später auch nach Deutschland. In den 1990er-Jahren war Lindenfeld schließlich nahezu menschenleer.
Bild: Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm
Die Einwohner von Lindenfeld waren katholisch. 1855 errichteten sie ihre Kirche und weihten sie dem Heiligen Wendelin. Einst Mittelpunkt des Dorflebens, verfiel die Kirche in den 2000er-Jahren zunehmend. Auf eine private Initiative hin erhielt das Gebäude schließlich ein neues Dach sowie neue Fenster und Türen.
Im Jahr 2018 entdeckte Käthe Pfaffl in einem Trümmerhaufen das Fragment eines Kirchenfensters. Sie nahm es mit nach Deutschland. Die Kirchenfenster waren kurz zuvor aus ihren Einfassungen herausgenommen worden, um die Kirche zu renovieren. Im selben Jahr fand in Lindenfeld ein Treffen der ehemaligen Bewohner statt. Es kamen über 200 Menschen, sowohl ehemalige Lindenfelder als auch Bewohner der umliegenden Ortschaften
Käthe Pfaffl wurde 1970 in Reșița/Reschitza geboren. Als Kind verbrachte sie jeden Sommer bei ihren Großeltern in Lindenfeld. Das abgelegene Dorf im Semenik-Gebirge war damals nur zu Fuß oder mit der Pferdekutsche erreichbar.
1989 emigrierte ihre Familie, wie viele Tausend andere Rumäniendeutsche, aufgrund der unerträglichen Zustände unter dem Ceaușescu-Regime. Käthe Pfaffl und ihr Mann, der auch aus Rumänien stammt, leben heute in Bayern.
Das Kirchenfenster nahmen sie mit nach Bayern, als andenken an die alte Heimat.

Oktober
Im Oktober wird geerntet: Feldfrüchte werden eingesammelt, Obst und Gemüse auf den Markt gebracht. Das Objekt für diesen Monat stammt aus Südwestungarn. Ein ringförmiges Kissen aus Baumwolle genäht und mit Sägespänen ausgestopft.
Ein Tragekissen, auch Tragring genannt, ist ein Polster, das beim Tragen von Lasten auf dem Kopf zwischen Kopf und Last gelegt wird. Es kann aus einem einfachen, zu einer Rolle geformten Stoffstück bestehen oder aus einem Stoffring, der mit Materialien wie Sägespänen, Stroh oder Rosshaar gefüllt ist. Manche Tragringe sind kunstvoll gestaltet, etwa aus Stoffkeilen im Patchwork-Stil genäht und mit Zackenbändern, Applikationen oder Stickereien verziert.

Diese traditionelle Methode, Lasten zu tragen, war weltweit verbreitet. Auch in Europa trugen Frauen so Wasserkrüge oder Waren in Körben – wie etwa Marktfrauen. Lange wurde diese Praxis als energiesparend und gesund gepriesen. Man sagte, sie verleihe den Frauen eine anmutige Haltung und einen eleganten Gang.
Neuere Studien widerlegen jedoch diese romantisierende Sichtweise. Untersuchungen in Tansania und Indien zeigen, dass das Tragen von Lasten auf dem Kopf häufig Rücken- und Knieschmerzen sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule verursacht. Zudem erwies sich diese Methode als nicht so energiesparend, wie oft angenommen wurde.
Dieses Tragekissen, aus Stoffresten liebevoll 'upcycelt' und farblich harmonisch gestaltet, ist mit Zackenlitzen und Stickereien verziert. Es gehörte einer deutschsprachigen Frau aus Somberek/Schomberg, einer Gemeinde in der Schwäbischen Türkei.
Die Schwäbische Türkei sucht man vergeblich auf der Landkarte. Der Begriff „Schwäbische Türkei“ entstand im 19. Jahrhundert und bezeichnete die deutsch besiedelten Gebiete im Südwesten Ungarns, insbesondere die Komitate Baranya, Tolna und Somogy.
Nach der osmanischen Eroberung im 16. Jahrhundert und der späteren Vertreibung der Osmanen durch die Habsburger war die Region weitgehend entvölkert. Deutsche Bauern und Handwerker, meist katholisch und aus Süddeutschland stammend, siedelten hier im 18. Jahrhundert. Sie gründeten Dörfer und Marktflecken, betrieben Ackerbau, Weinbau und Handwerk.
So wurde auch Somberek/Schomberg Anfang des 18. Jahrhunderts mit Serben sowie Deutschen aus der Pfalz und dem Schwarzwald besiedelt. Im 20. Jahrhundert erlitt auch dieses Dorf, wie viele andere in der Schwäbischen Türkei, große Veränderungen. Nach 1920 zog der Großteil der serbischen Bevölkerung in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Deutsche vertrieben. An ihrer Stelle kamen Szekler, die zunächst aus der Bukowina nach Jugoslawien umgesiedelt worden waren und am Ende des Zweiten Weltkriegs von dort fliehen mussten. Außerdem wurden Ungarn, die aus der Tschechoslowakei vertrieben worden waren, in den Häusern der früheren deutschen Bevölkerung angesiedelt.
Anfangs von Konflikten belastet, spielt die unterschiedliche Herkunft heutzutage keine Rolle mehr; das Dorf ist eine gut zusammengewachsene Gemeinschaft

Oktober
Dass das Schwein als das Symbol für Sparen gilt, geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Weltspartag allerdings jährt sich erst zum hundertsten Mal. Am 31. Oktober 1924 wurde er auf dem Internationalen Sparkassenkongress ins Leben gerufen, um Kindern und Erwachsenen einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu vermitteln. Früher hat man tatsächlich Schweine „gespart“ für schlechte Zeiten, heute ist es hauptsächlich das Geld, und der Weltspartag wird vor allem von Geldinstituten beworben.
In Ungarn machte eine Hundehütte dem Sparschwein in den 1960er Jahren Konkurrenz. Die beliebteste mechanische Spardose mit beweglichen Teilen begeisterte viele Kinder und heute noch viele Erwachsene.
Mechanische Spardosen sind Spardosen aus Gusseisen oder Blech mit beweglichen Teilen. Sie entstanden im 19. Jahrhundert in großer Zahl in den USA, da die eisenverarbeitende Industrie nach dem Ende des Bürgerkriegs nicht mehr ausgelastet war und statt Waffen Haushaltsgeräte und Spielzeuge hergestellt wurden. Viele der dort hergestellten Spardosen waren mit ausgefeilten Mechaniken versehen. Im frühen 20. Jahrhundert wurde Deutschland in Europa zum führenden Hersteller von Blechspielzeugen. Der Einsatz leistungsfähiger Stanzmaschinen und die Tatsache, dass das Weißblech auch mit Farblithografie bedruckt werden konnte, machten die bunten und leichten Spielzeuge preiswert und beliebt. So wurden auch Spardosen, mechanische und einfache, hergestellt.
Mechanische Spardosen sollten Kinder zur Sparsamkeit erziehen, doch für die meisten war das Spielen der größere Anreiz. Besonders beliebt war in Deutschland eine Spardose mit einem Specht. Man steckte die Münze in das Metallhäuschen und drehte an der Kurbel, woraufhin der Specht erschien, sich das Geld schnappte und damit im Häuschen verschwand. Es gab auch Spardosen, die aussahen wie ein Postamt oder eine Bank mit einem Schalter, hinter dem ein Angestellter saß, der das Geld in Empfang nahm. Das Geld konnte man hinterher immer mit einem Schlüssel aus der Spardose holen und, wenn man Spaß daran hatte, vorn wieder hineinstecken.
Mit einem ähnlichen Mechanismus funktioniert auch die ungarische Hundehütten-Spardose. Aus der Hütte schaute ein Hund heraus. Man musste das Geld auf seine Zunge legen, die er "verschluckte" und so das Geld sparte. Um an das Geld zu kommen, konnte man den Boden der Hundehütte mit einem Schlüssel öffnen.
Mit diesen Spardosen konnte man nur Münzgeld sparen, keine Geldscheine. Damals, als die Hundehütten-Spardose sich so großer Beliebtheit erfreute, war Kleingeld allerdings auch viel mehr wert als heutzutage.
„So ein Ding habe ich auf jeder Kirmes bekommen :) Weil es immer auseinander ging. Meistens war es die Zunge des Hundes oder ich habe den Schlüssel verloren. Ich habe es geliebt!“, ein Kommentar auf retronom.hu (eine ungarische Website, die sich auf Nostalgie und historische Inhalte konzentriert) aus 2010.
Die Hundehütten-Spardose wurde 1961 zum ersten Mal in Ungarn verkauft. Sie wurde in einer Blechwarenfabrik in Győr hergestellt, und ein Großteil der Produktion war für den westlichen Export bestimmt. Die Fabrik wurde 1992 geschlossen, aber noch einige Jahre lang produzierte eine Nachfolgefirma Spielzeuge, bis die Produktion endgültig eingestellt
wurde. Viele der Blechspielzeuge aus Győr genießen inzwischen Kultstatus. Dass man die Hundehütten-Spardose auch heute noch, sogar in Deutschland, kaufen kann, liegt daran, dass für die Nostalgieliebhaber Repliken hergestellt werden, meist in China produziert. Aber die Hundehütten-Spardosen kommen aus Indien.
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